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Dein kleines Helferlein

Es ist Montagmorgen. Du liest die Blaupause, den Newsletter, mit dem du Communitys besser verstehst und erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Heute: WizPress, eine KI-gestützte Produktionsplattform für Redaktionen.

Hallo!

Journalist who builds things steht über mich selbst bei Linkedin, und vor ein paar Wochen hat mich dort meine Kollege Nuno Costa aus Faro in Portugal kontaktiert mit den Worten I'm also a Journalist who builds things. In seinem Fall ist das Wizpress (Öffnet in neuem Fenster), und das ist so interessant, dass ich es heute vorstellen möchte.

Ersetzt KI Journalistinnen und Journalisten? Natürlich nicht. Aber Sie kann ihnen endlich den Teil der Arbeit abnehmen, die mit Journalismus wenig und mit Robotertätigkeiten viel zu tun hat: Pressemitteilungen sortieren, Interviews transkribieren, Texte aus Veranstaltungsflyern abschreiben, Schlagwörter vergeben und fertige Beiträge ins Redaktionssystem übertragen.

Nuno hatte das Problem selbst jahrelang erlebt. Als Journalist und Mitgründer des Regionalmediums Sul Informação (Öffnet in neuem Fenster) an der Algarve verbrachte er so viel Zeit mit der täglichen Produktionsroutine, dass für Recherche und eigene Geschichten kaum noch etwas übrig blieb. Also entwickelt er seit dem vergangenen Jahr gemeinsam mit einem Technologie-Unternehmen eine KI-gestützte Plattform für Redaktionen – Wizpress.

Statt einem Chatbot wie Claude oder ChatGPT, dem man alles jedes Mal neu erklären muss, ist Wizpress ein System, das Quellen einliest, daraus einen Entwurf im Stil der Redaktion erstellt, Fakten und Risiken prüft und das Ergebnis direkt an das CMS übergibt. WizPress bündelt unter anderem E-Mail- und Feed-Monitoring, Transkription, Texterkennung, Recherche, Faktenchecks und CMS-Publishing in einer Oberfläche.⁠⁠

Wer das ausprobieren möchte, kann sich gern bei Nuno melden, am einfachsten über die Webseite (Öffnet in neuem Fenster) oder bei Linkedin (Öffnet in neuem Fenster). Sein Team sucht Redaktionen aus dem deutschsprachen Raum, die es ausprobieren wollen.

Journalist:innen die Zeit zurückgeben

Journalist who builds things: Nuno Costa

Nuno, warum hast du den schönsten Job der Welt hingeworfen und bist selbst Unternehmer geworden?

Die Tagesproduktion war oft anstrengend. Die Seite musste laufen, ohne Pause. Für Reportagen und Recherche war im Kopf kein Platz, obwohl im Kalender manchmal welcher gewesen wäre. Man wird zum Sachbearbeiter für Informationen. Dazu kam, dass in unserer Redaktion die Zusammenarbeit mit externen Entwicklern nicht so gut funktionierte. Man musste ihnen jedes Mal erklären, was Rubriken sind, warum eine Suche funktionieren muss, wie man Werbeplätze rotiert. An dieser Schnittstelle wollte ich arbeiten.

Und wie kriegt WizPress es hin, diese Probleme zu lösen?

Es nimmt Redaktionen die Routine ab. Eine Pressemitteilung kommt herein, das System erkennt sie an vorher festgelegten Schlagwörtern und schlägt einen Artikel vor. Anhänge werden mitgelesen. Die Redakteurin prüft den Text, setzt ein Foto darauf, vergibt Rubrik und Autor und schickt alles ans Redaktionssystem. Nach den Daten unserer Nutzer dauert das mit WizPress unter drei Minuten.

Wizpress in Aktion: Das System kann aus verschiedenen Quellen in wenigen Minuten veröffentlichungsfähige Meldungen produzieren

Vor drei Jahren hätte man so einen Redaktions-Automaten nicht für möglich gehalten. 

Manche Kunden sagen nach der Vorführung: Das schreibt besser als einige meiner Leute. 

Was ist das Killer-Feature, mit dem du nicht gerechnet hattest?

Am meisten überrascht hat sie eine unscheinbare Funktion. In Portugal bekommen kleine Redaktionen Informationen oft als Bild, ein Veranstaltungsflyer etwa. Das abzutippen dauert ewig. Wir haben eine Texterkennung eingebaut. Bei einer Präsentation habe ich Faktencheck und Themen-Monitoring gezeigt, aber erst bei der Bilderkennung sagten drei Redaktionen: Das nehmen wir.

Warum ist es besser, wie ihr für verschiedene Aufgaben verschiedene KI-Agenten einzusetzen, statt einfach einen großen Chatbot wie Claude oder ChatGPT?

Wenn ein Chatbot alles können soll, trägt er für jede Aufgabe den ganzen Ballast mit sich. Bei uns macht jeder Baustein eine Sache. Schlagwörter zu ziehen braucht kein teures Modell. Und wenn die Überschriften nicht passen, repariere ich genau diesen Baustein, ohne den Rest anzufassen. Das spart Geld, für uns und für die Kunden. Das ist mir wichtig, weil ich nicht will, dass sich die Geschichte der Digitalisierung wiederholt. Damals konnten sich viele kleine Zeitungen die Technik nicht leisten.

Wie verhinderst du, dass das System Dinge erfindet?

Wenn eine Pressemitteilung die Grundlage ist, benutzt das Tool nur diesen Text. Es ergänzt nichts. Ein zusätzlicher Assistent darf ins Internet, zeigt aber immer seine Quellen. Findet er für eine Aussage keine Bestätigung, sagt er das. Redaktionen können außerdem festlegen, welche Quellen zugelassen sind.

Wenn Artikel fast nichts mehr kosten: Was unterscheidet dann noch eine Zeitung von der nächsten?

Kopierte Pressemitteilungen gab es vorher auch schon. Das Problem hat nicht WizPress erfunden. Die besten Medienprojekte haben Geschichten, die sonst keiner hat. Wer die Pflichtmeldungen schneller erledigt, hat Zeit für genau diesen Unterschied.

Trotzdem könnte man den nächsten Schritt gehen und ganz auf die Redakteurin verzichten. Warum lässt du das Tool nicht selbst veröffentlichen?

Technisch wäre das der einfachste Teil. Kunden fragen danach, ich lehne ab. In unseren Verträgen steht eine Klausel: Ein Mensch prüft jeden Text und trägt die Verantwortung für das, was seine Zeitung veröffentlicht. Andere werden das anders handhaben. Ich nicht.

Kollegen werfen dir vor, Journalisten abzuschaffen.

Journalisten werden heute mehr denn je gebraucht. Wir können sie nicht abschaffen – das wäre eine Gefahr für die Demokratie, die wir uns nicht leisten können. Aber wir können ihnen Zeit zurückgeben, damit sie wirklich hochwertigen Journalismus machen können: Journalismus, der ihre Arbeit einzigartiger, wertvoller und unverzichtbarer macht.

Was fangen die Redaktionen mit der gewonnenen Zeit an?

Ein Kunde erzählte, er sei aus Zeitmangel nicht mehr zu den Gemeinderatssitzungen gegangen. Jetzt geht er wieder hin. Die Sitzung dauert drei Stunden, er braucht für den Artikel eine Viertelstunde. Das ist die Rückmeldung, die ich am liebsten höre. ◼️
Bis Montag!
👋 Sebastian

PS:

Ich bin am 1. bis 3. Oktober beim B Future Festival
für Journalismus und konstruktiven Dialog in Bonn auf dem Panel “DIY – Erfolgreich in der (News) Creator Economy!“ und würde mich freuen, mit Blaupause-Leser:innen vor Ort den ein oder anderen Kaffee zu trinken. Wenn du magst, finde hier einen passenden Slot, einen Ort finden wir dann!

https://www.b-future.org/2026/veranstaltungen/diy---erfolgreich-in-der-news-creator-economy (Öffnet in neuem Fenster)

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Kategorie Startup

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